Wenn in der Ausbildung nicht alles rund läuft: Regionale Ausbildungsbetreuung

Wehmütig blickt der stolze Chef auf die zurückliegenden 3 Jahre Lehrzeit: von Anfang an lief alles rund mit ihm und seinem Azubi, eine absolute Bereicherung für das ganze Team. Nie ging etwas daneben, nie wurde eine Frage zweimal gestellt. Keine Konflikte, keine Widerworte, nur Harmonie. In der Berufsschule mustergültig, die Lehrer waren begeistert. Als sich Azubi und Chef bei der Freisprechung inbrünstig die Hände schütteln, verdrücken beide fast unmerklich eine Träne: „Es war so schön…“

Doch der realistische Alltag in der Ausbildung sieht häufig anders aus: es klappt nicht immer alles, man redet aneinander vorbei und die Erwartungen, die Chef und Azubi haben, gehen mitunter weit auseinander.

Um Unternehmen und Auszubildende gleichermaßen bei der Gemeinschaftsaufgabe „Ausbildung“ zu unterstützen hat das Land Schleswig-Holstein vor etwas mehr als 20 Jahren das Projekt „Regionale Ausbildungsbetreuung“ auf den Weg gebracht. Es wird durch Landesmittel und aus dem Europäischen Sozialfonds finanziert. Die landesweit vertretenen Ausbildungsbetreuer sind Ansprechpartner für Betriebe und ihre Ausbilder, für Azubis, Eltern oder auch Lehrer, wenn es um Fragen und Probleme rund um die Ausbildung geht. Für die Westküste liegt die Trägerschaft der Ausbildungsbetreuung in den Händen der Kreishandwerkerschaft Nordfriesland-Nord. So vermitteln die nordfriesischen Ausbildungsbetreuer Benjamin Thöming und Olaf Behrmann in Krisensituationen vor Ort, um einen erfolgreichen Abschluss der Ausbildung zu ermöglichen oder abzusichern. Ist ein Abbruch nicht zu verhindern oder ist dieser bereits erfolgt, können die Ausbildungsbetreuer bei der Neuorientierung oder dem Wiedereinstieg in eine berufliche Ausbildung helfen. Wichtig ist dabei immer der persönliche Kontakt zu den Azubis.

„Natürlich ist es kein Selbstgänger, eine Situation, die sich möglicherweise über einen längeren Zeitraum entwickelt hat, wieder grade zu biegen.“ berichtet Benjamin Thöming, Ausbildungsbetreuer in Husum. „Doch, wenn grundsätzliche Gesprächsbereitschaft besteht – auf beiden Seiten – ist das schon ein gutes Zeichen.“ Eine besondere Hürde sieht Thöming in der direkten Kommunikation zwischen Chef und Azubi: „In der Zeit von WhatsApp und Co. nimmt man sich manchmal einfach nicht mehr die Zeit, die im betrieblichen Alltag ohnehin knapp ist, sich persönlich und intensiv miteinander zu unterhalten. Weiß ich als Chef, was meinen Azubi beschäftigt, was ihn antreibt? Weiß er, was ich von ihm erwarte? Die Antworten darauf können entscheidenden Einfluss auf die gemeinsame Ausbildungszeit haben.“

Eine große Hilfe ist den Ausbildungsbetreuern ein umfangreiches Netzwerk, bestehend aus den Beruflichen Schulen, der Agentur für Arbeit, den Jobcentern, Kammern sowie weiteren Beratungseinrichtungen. „Als Einzelkämpfer wären wir weder für die Betriebe noch für die Azubis eine Hilfe. Aber durch unser Netzwerk können wir alle Seiten optimal unterstützen.“ Das zeigt sich aus Sicht von Olaf Behrmann, Ausbildungsbetreuer in Niebüll, momentan besonders bei der Ausbildung von Geflüchteten. „Die Betriebe haben hier schon vermehrten Unterstützungsbedarf. Da ist es gut, zu wissen, dass wir mit den Willkommenslotsen der Handwerkskammer Flensburg und dem Kreis Nordfriesland starke Partner haben, die wir bei der Betreuung von Geflüchteten und deren Betrieben immer gerne mit einbeziehen.“

Die Ausbildungsbetreuer sind Ansprechpartner, wenn nicht alles rund läuft. Benjamin Thöming hat sein Büro in der der Kreishandwerkerschaft in Husum und ist von Montag bis Donnerstag telefonisch zu erreichen unter 04841/893811 oder per Mail: benjamin.thoeming@ausbildungsbetreuung.de.

Olaf Behrmann ist täglich in der Kreishandwerkerschaft in Niebüll unter 04661 966520 und unter olaf.behrmann@ausbildungsbetreuung.de zu erreichen.